Flimmerfreundschaft: Hairspray (1988)

Das Kino ist ein kommunales Erlebnis. Über die Leinwand flackern bewegte Bilder und der Zuschauer zeigt in dem Moment erschreckend viel über seine Persönlichkeit.
Emotionen werden erlebt und Meinungen entstehen, die im Austausch offenbart werden.
Friedl-Von-Grimm und Michael möchten mit einer gemeinsamen Aktion diese Tiefe zelebrieren.
Zweimal im Monat bestimme ich das Sehverhalten der wundervollen Friedl-Von-Grimm.
Zweimal im Monat bestimmt Frau Von Grimm meine Filmauswahl.
2×2 Filmvorstellungen der Extraklasse. 4×10 Fragen, die die Betrachtungsweise des Anderen zeigt.
Willkommen bei der Flimmerfreundschaft – zwischen Friedl und Michael!

# Flimmerfreundschaft Double Feature No. 003 #
Friedl suchte für mich „Hairspray“ (1988) von John Waters aus.

A) Die Story empfand ich als…
gut zu verfolgen. Es geht um das kräftige Teenager-Mädchen Tracy, die davon träumt bei einer TV Show mitzumachen. Die Tanzshow ist der Renner in Baltimore der 1960er Jahre. MV5BZjYxZDNhMDItOGVlZi00OWE5LThmNzYtNmYwNGU4NzU1Y2Y2XkEyXkFqcGdeQXVyMjUyNDk2ODc@._V1_SY1000_CR0,0,674,1000_AL_
Tracy bekommt ihre Chance und wird zum Publikumsliebling, was natürlich nicht jedem gefällt. Besonders ihre Kontrahentin Amber, die zu gemeinen Aktionen neigt, lässt nicht locker.

B) Mir ist besonders aufgefallen, dass…
der Film eine simple Grundstory vorzuweisen hat, aber durch andere Eigenschaften zu einem großartigen und unterhaltsamen Werk wird. Regisseur John Waters, der selbst im Baltimore der 1950/60er Jahre aufgewachsen ist, kreierte eine tolle Hommage an diese Zeit.
Der Film besticht durch das Aussehen der Leute, die Ausstattung der Orte, die Themen der Menschen und einer unheimlich guten Musikauswahl der damaligen Zeit.
Die Schauspieler legen ein gutes overacting an den Tag, was den Humor des Filmes unterstreicht. Es ist gewollte Übertreibung und Stilisierung einer Zeit, die man gerne als die gute alte Zeit beschreibt, was natürlich nicht stimmte. „Hairspray“ thematisiert beispielsweise die Rassentrennung, wogegen sich Tracy und ihre Freunde wehren.
Tracy’s Mutter isst derweil ungesunden Kuchen, um danach Diatpillen zu schlucken.

C) Meine liebste Szene war…
Die Tanzszenen lassen mich natürlich staunen. Ich finde das Timing und die Kunst, die dahinter steckt, einfach unglaublich. Grade mit vielen Menschen ist ein geschmeidiger Ablauf sehr schwer auf Film festzuhalten. Es gibt eine Tanzszene, die während der TV Show abläuft und alle Tänzer in einer Reihe stehen. Das war toll anzusehen. ba64bea48abc1466af2c1558ea43ec04
Ich liebe die Szenen mit Tracy’s Freundin Penny, die von Leslie Ann Powers gespielt wird. Penny verliebt sich in einen schwarzen Jungen und ihre Mutter ist vollkommen dagegen. Sie verfolgt Penny in ein Stadtteil, der von Afroamerikanern bewohnt ist. Überaus panisch und verängstigt läuft sie durch die Straßen und schreit, wenn sie von einem farbigen Menschen angesprochen wird. Leslie Ann Powers ist in diesem Film für mich ein niedliches Babe, das nie wieder in einer anderen Filmrolle zu sehen war.
Ich mag die Szene als der Moderator nach dem Ende der Show sofort zum Flachmann greift. Verständlich, da vor dem Studio die Aufstände und Demonstrationen gegen die Rassentrennung beginnen. Die Betreiber der Show wollen keine Mischung von Schwarz und Weiß, obwohl natürlich viel an „Black Music“ zu hören ist.

D) Ich habe diesen Film noch nicht gesehen, weil…
Ich l-i-e-b-e Musicals und „Hairspray“ war ebenso wie 100 weitere Filme dieser Art auf meiner ‚To-Watch-Liste‘. Ich habe sogar einmal die Neuverfilmung gesehen, wobei ich interessanterweise keine Erinnerung mehr zum Film von 2007 habe.

E) Friedl-Von-Grimm hat mir diesen Film empfohlen, da…
sie John Waters als Regisseur schätzt? Herr Waters scheint andersartig und einige seiner Film scheinen Kult zu sein. „Pink Flamingos“ (1972) würde ich gerne einmal sehen.
Zudem: 80er Jahre Filme, die die 50/60er huldigen, sind absolut zu empfehlen!

Ab hier sind Franziskas gezielte Fragen zu dem Film.

1. Ist Tanzen eine Kunstform, die dir zugänglich ist?
Und wie ist deine Meinung zur heutigen Tanzkultur?
MV5BZmVhOWMzMmYtNWQwMS00NDhkLTk3ZDEtMmE3YjU3ZDI1OTVhXkEyXkFqcGdeQXVyMjUyNDk2ODc@._V1_Leider bin ich kein Tänzer. Es wurde mir nie nahe gebracht. Ich kenne keine wirklichen Bewegungsabläufe, zudem kommen große Hemmungen in mir auf, wenn (viele) andere Leute beim Tanzen anwesend sind. Es kann aber mal passieren, dass ich bei guter Musik auch mal durch die Wohnung wirbele.
Ich habe kein Bild der heutigen Tanzkultur. Wie sieht diese aus?
Ich stelle sie mir Freestyle-mäßig vor.

2. Wie stellst du dir dein Teenager-Ich im Jahre 1963 in Baltimore vor?
Auf der Suche nach Programmkinos. Auf der Suche nach Veränderung und Entwicklung.
Wahrscheinlich würde ich versuchen ins Filmgeschäft zu kommen.
Es ist eine sehr gute Frage, auf die ich keine direkte Antwort habe.

3. Was verbindest du mit John Waters?
director-cameo-1Den Film „Cry Baby“ (1990), der ebenfalls in Baltimore der alten Zeit spielt.
„Cry Baby“ wurde mir während des Bundesfreiwilligendienstes bei einer Unterhaltung auf einem Seminar empfohlen. Es war einer der Lieblingsfilme vom Gesprächspartner.
Sonst kenne ich John Waters nicht, aber ich liebe sein Cameo als Psychiater, der Penny mit ungewöhnlichen Methoden heilen möchte.

4. Wie findest du den Kleidungs- und Frisurenstil der dargestellten Ära (wenngleich hemmungslos übertrieben) ?
Ich liebe die 1950er und 1960er Jahre. Die Mode und das Aussehen der Menschen gefällt mir, obwohl es doch sehr förmlich, manchmal rebellisch ist. Auf jeden Fall ist der Stil sehr aufwendig. Es wurde viel Haarspray verwendet.
Ferner hat mir der Wandel vom lockigen Dauerwellenhaar zur gebügelten, glatten Friseur gefallen. Kunterbunt ist es auch, wobei die Schwarz/Weiß-Aufnahmen interessant als Vergleich daherkommen.

5. Hast du die Musicaladaption gesehen? Wenn ja, was gefällt dir, was nicht im Vergleich zum Original? Wenn nein, was für Erwartungen und Ansprüche hast du nun?
Ich habe das Musicals, das nach dem Film entstanden ist, nicht gesehen.
Ich würde ein unterhaltsames, freches, leichtfüßiges, zudem sozialkritisches Live-Musical erwarten.

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„Hairspray“ (1988) war die dritte Flimmerfreundschaft-Filmauswahl von der lieben Friedl-Von-Grimm. Zusammenfassend eine tolle Hommage an die ‚gute alte Zeit‘.

Ich wirble nun durch die Wohnung während ihr Friedl-Von-Grimm’s Beitrag zu „Mädchenbande“ (2014) lesen könnt. Mein Film für Franzi, der mich damals im Kino geprägt hat.

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1 Kommentar

  1. A. Ich find das irgendwie kurios, dass du das Wort „kräftig“ verwendest. Lass uns doch das Wort „dick“ wieder neutral bis positiv besetzen.
    B. Mochtest du Divine als Tracy’s Mutter? Und hast du den Film auf Deutsch oder Englisch gesehen? Ist nämlich eine der wenigen Ausnahmen, wo ich die übertriebene Synchronfassung noch lustiger finde. Besonders die Stimme und Sprüche von Tracy’s Mutter.
    C. Ich finde es so schön, dass du auch so viel Achtung und Liebe für diese Tanzszenen hast. Ich habe vor dieser Arbeit so viel Achtung, ob nun das Konzeptionieren eines Tanzes, einer Szene damit als auch das Choreographieren und Erlernen. Einfach nur wow. Mich würde da zum Beispiel sehr deine Meinung zu „Ku’damm 56“ und „Ku’damm 58“ interessieren. Das sind je drei 90-Minüter pro Staffel und somit irgendwas zwischen Serie und Filmproduktion und im übrigen in der ARD-Mediathek komplett verfügbar. Geschrieben von einer Frau und wie ich finde die beste deutsche Produktion, die ich seit langem gesehen habe.
    Und du hast mein links-grün-versifftes-political-correctness-Hirn gekillt. Du schreibst von „farbigen Menschen“ und ich weiß, dass man nicht mehr von „Farbigen“ schreibt, aber du verwendest ja quasi ein deutsches Pendant zu „People of color“, aber bevor ich mich gedanklich zu sehr verwinkle, lies selbst:
    http://www.derbraunemob.de/shared/download/warum_keine_farbigen.pdf
    D. Da es bei mir fast genauso ist, spricht es wohl nicht besonders fürs Musical.
    E. Ja, John Waters ist mein spirit animal. Ich kann dir sehr auch seine Bücher empfehlen! Es ist schön wenn jemand so moral- und normfrei seine Eigenheit auslebt und auch noch dafür geschätzt wird. Und modisch ganz weit vorne!
    1. Ich kann das verstehen. Viele Jahre war ich wegen der eigenen Inkompetenz auch gehemmt und jetzt ist es mir egal. Aber ich würde auch gerne mehr klassische Tänze etc. erlernen, also vielleicht doch mal einen konservativen Tanzkurs machen? Ich glaube das mache ich wirklich mal.
    Vielleicht auch was für dich?
    2. Glaubst du, du wärst dann ein Beatnik?
    3. Ich liebe es auch, dass Waters, der ja für den Mainstream das Sinnbild für Perversion ist, den Psychiater spielt. Die Rolle hätte ich auch gerne gespielt. *lach* Oder den Malerstudentenguy, der seinen Kopf durch die Leinwand haut.
    4. Der männliche Style ist bis auf die Haare auch nicht ganz so aufwendig und trotzdem zeitlos schön. Vielleicht wäre es ja dein Ding. ❤
    5. Live habe ich es auch nie gesehen. Die Frage zielte deswegen auch eher auf den Hollywoodfilm ab.

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