Flimmerfreundschaft: Vulva 3.0 (2014)

Das Kino ist ein kommunales Erlebnis. Über die Leinwand flackern bewegte Bilder und der Zuschauer zeigt in dem Moment erschreckend viel über seine Persönlichkeit.
Emotionen werden erlebt und Meinungen entstehen, die im Austausch offenbart werden.
Friedl-Von-Grimm und Michael möchten mit einer gemeinsamen Aktion diese Tiefe zelebrieren.
Einmal im Monat bestimme ich das Sehverhalten der wundervollen Friedl-Von-Grimm.
Einmal im Monat bestimmt Frau Von Grimm meine Filmauswahl.
Zwei Filmvorstellungen der Extraklasse.
2×10 Fragen, die die Betrachtungsweise des Anderen zeigt.

Willkommen bei der Flimmerfreundschaft – zwischen Friedl und Michael!

# Flimmerfreundschaft Double Feature No. 004 #

Friedl suchte für mich „Vulva 3.0“ (2014) von Claudia Richarz & Ulrike Zimmermann aus.

A) Die Story empfand ich als…
vlcsnap-2018-08-04-20h04m10s844Die Dokumentation handelt von dem Geschlechtsorgan der Frau und deren Schönheit, obwohl die Gesellschaft es – selbst heute noch – tabuisiert. Es werden viele Unterthemen dieses hoch komplexen, sowie sensiblen Themas aufgegriffen.

B) Mir ist besonders aufgefallen, dass…
Das ganze Themenkonstrukt mit Menschsein – Frausein – Emanzipation – Geschlechterrolle – Sexualität ist momentan ein sehr angesagtes und gern diskutiertes Feld.
Ich finde es persönlich nicht sehr beflügelnd und motivierend. Es ist spannend, aber voller Subjektivität behaftet, bzw. höchster Emotionalität, wodurch es träge und hitzig wird.
Die Dokumentation beleuchtet Themenaspekte, die jeder Mensch kennen sollte.
Ein großer Teilaspekt war „jede Vulva sieht anders aus“. So etwas schlägt meine Zeit tot und es ist erschreckend, wenn das viele Leute angeblich wirklich nicht wissen.
vlcsnap-2018-08-04-20h17m49s616Dann läuft definitiv etwas in der Aufklärung verkehrt, wobei der Punkt ‚Pädagogik‘ eindeutig zu kurz gekommen ist. In der Dokumentation stellt sich lediglich eine externe Fachkraft mit ihrem Spielzeug vor.

C) Meine liebste Szene war…
Ich war ziemlich froh, als der Film vorbei war. Die letzten 20 Minuten waren eine Qual. Am Ende gab es eine eine zensierte Live-Übertragung einer Schönheitsoperation, währenddessen sich Kapitalisten im Hörsaal in die Hände klatschten. In Doktor Smilies Augen sehe ich doch Dollarzeichen. vlcsnap-2018-08-04-20h52m35s269

D) Ich habe diesen Film noch nicht gesehen, weil…
Mein Fokus liegt grundsätzlich bei anderen Themen.
Ich beschäftige mich mit anderer Identifikation.

E) Friedl-Von-Grimm hat mir diesen Film empfohlen, da…
Vielleicht wollte sie mir eine gut gemeinte Lehrstunde geben.

Ab hier sind Franziskas gezielte Fragen zu dem Film.

1. Was war die lustigste und was die traurigste Szene der Dokumentation, die dir in Erinnerung geblieben ist?
In einem Kapitel wird gezeigt wie Frauen einen Fruchtbarkeitstanz ausüben. Sie entblößen ihre Vulva und heben das Kleidchen, damit die Ernte besser wird. Historisch ulkig.vlcsnap-2018-08-04-20h19m10s062
Traurig, hingegen, war der Vortrag über Verstümmlung. Genitalverstümmelung ist eine Problematik, die eine eigene Dokumentation verdient hätte. Eine Gute, bitte.
Danach bitte Lösungen und Lösungsausübung, weil solche Gewalt gibt der Identifikation Risse.

2. Konntest du neue Erkenntnisse gewinnen oder empfindest du die Dokumentation als unnötig?
Leider konnte ich wenige neue Erkenntnisse gewinnen.
Das digitale Bearbeiten der Vulva für die Medien war interessant. Wie viel in einem Foto retuschiert wird ist beängstigend.

3. Was war deine Vorstellung und dein erster Eindruck als du den Film beschafft bzw. von mir empfohlen bekommen hast?
„Endlich ein Film, an den ich auch heran komme“! +
„Oh, ein brisantes Thema mit Exploitation-Charakter. Ich bin gespannt!“
Übrigens passt allein der Preis der DVD, damit die Doku ins Exploitation-Genre gehört.

4. Wer sollte diesen Film sehen?
Da ich die Dokumentation nicht sonderlich mag, ist es schwierig hierzu eine Statement abzugeben. Aber – wie bei jeden Film – sollte er von den Leuten gesehen werden, die einen Mehrwert daraus ziehen können. Die Interesse zeigen.
Der Film zeigt gewisse Grundlagen auf. Jeder Mensch hat eine andere Nase, so hat jeder Mensch auch ein anders aussehendes Geschlechtsteil. Bitte hierfür auch Dr. Sommers Vulva Galerie anschauen.vlcsnap-2018-08-04-20h23m40s824
Der Film könnte auch Trash-Liebhabern gefallen. Einige Geschichten sind sehr witzig, was auch zu den schrulligen Erzählern passt. Die Übergangsphasen mit den gemalten Scheiden ist klasse, aber auch die Zwischenschnitte mit den echten Vaginen sind herzallerliebst.

5. Wer sollte den Film nicht sehen?
Der Film springt ein bisschen – nicht allzu sehr – auf den Emanzipationszug auf.
Ich hätte auch gerne den ‚Penis 3.0‘ dabei gehabt, denn dieser ist – meiner Empfindung nach – ebenfalls nicht Mainstream. Jungs schämen sich seiner genau so. Die Medien suggerieren auch hier ein verfälschtes Schönheitsideal. Er wird auch verstümmelt.
Objektive Aufklärung wäre schön.

Wisst ihr, warum mich letztendlich Geschlechterrollen wenig interessieren.
Jeder Mensch sollte dazu angehalten sein, dass zu tun, damit seine Person glücklich ist. Ohne die Anderen dabei zu schädigen.
Frauen und Männer haben Unterschiede; brauchen somit unterschiedliche Wege, Werkzeuge, etc. Ihre Grundrechte sollten gleich sein, was nicht der Fall ist.
Somit lasst uns gemeinsam für eine gerechte und gute Welt einsetzen.

4.0.1

„Vulva 3.0“ (2014) war die vierte Flimmerfreundschaft-Filmauswahl von der lieben Friedl-Von-Grimm. Zusammenfassend die erste Empfehlung, die mir filmisch nicht zusagte, aber ein gutes Thema zum Nachdenken aufweist.

Friedl-Von-Grimm hat „Angst essen Seele auf“ (1973) gesehen.
Ein Film von Regie-Maschine Rainer Werner Fassbinder, bei dem sich ein Marokkaner in eine alte Vulva verliebt.

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