Flimmerfreundschaft: The Last Broadcast (1998)

Das Kino ist ein kommunales Erlebnis. Über die Leinwand flackern bewegte Bilder und der Zuschauer zeigt in dem Moment erschreckend viel über seine Persönlichkeit.
Emotionen werden erlebt und Meinungen entstehen, die im Austausch offenbart werden.
Friedl-Von-Grimm und Michael möchten mit einer gemeinsamen Aktion diese Tiefe zelebrieren.
Einmal im Monat bestimme ich das Sehverhalten der wundervollen Friedl-Von-Grimm.
Einmal im Monat bestimmt Frau Von Grimm meine Filmauswahl.
Zwei Filmvorstellungen der Extraklasse. 2×10 Fragen, die die Betrachtungsweise des Anderen zeigt.
Willkommen bei der Flimmerfreundschaft – zwischen Friedl und Michael!

# Flimmerfreundschaft Double Feature No. 006 #

Friedl suchte für mich „The Last Broadcast“ (1998) von Stefan Avalos & Lance Weiler aus.

A) Die Story empfand ich als…
sehr innovativ, wenn man die Entstehungszeit betrachtet.
vlcsnap-2018-10-04-14h45m34s385Eine Amateur-Filmcrew ist auf der Suche nach einer lokalen Horrorgestalt – dem ‚Jersey Devil‘. Die 2 Moderatoren haben die Ambition ihre Show wiederzubeleben, da die Zuschauer nicht mehr einschalten. Steven und Locus engagieren zwei weitere Mitstreiter und machen sich zu viert in die Wälder. Das Ergebnis sind zwei Ermordete, ein Vermisster und ein Mordverdächtiger.

B) Mir ist besonders aufgefallen, dass…
der Drehstil besonders ist! „The Last Broadcast“ ist ein ‚Found Footage‘ Film.
Genauer genommen gibt es keinen dritten Erzähler, der unsichtbar im Hintergrund filmt.vlcsnap-2018-10-04-14h41m43s326
Wir – als Zuschauer – sehen die “echten“, gefundenen Aufnahmen, die ein interessierter Filmemacher zusammenschneidet, um zu klären, was wirklich passiert ist. Hinzu kommt weiteres Drehmaterial bestehend aus Nachrichtenclips, Polizeiaufnahmen und Interview mit Angehörigen / Beteiligten.

C) Meine liebste Szene war…
die Auflösung, die mir gar nicht geschmeckt hat, aber so ulkig und trashig ist, sodass sie für immer in meiner Erinnerung bleiben wird. Interessant, dass der Film hier auch seinen „Found Footage“ Stil aufgibt und zur gängigen Erzählform übergeht.
Ich möchte nichts verraten, aber es hat mich sehr an einen alten Giallo erinnert, der eine gleichblöde Konsequenz bietet. Die ganze aufgebaute Atmosphäre war – futsch.

D) Ich habe diesen Film noch nicht gesehen, weil…
ich „Blair Witch Project“ (1999), die Mutter des modernen ‚Found Footage‘ Filmes, gesehen habe.
Und dieses Werk hat mir nicht sonderlich gefallen, da dumpfe Teenies durch den Wald stampften, es filmten – und nichts passierte.
Von „The Last Broadcast“, der die selbe Story und Erzähltechnik aufweist, hatte ich auch gehört, aber habe – durch die „Blair Witch“ Erfahrung – dankend abgelehnt.

E) Friedl-Von-Grimm hat mir diesen Film empfohlen, da…
der #Horrorctober am Laufen ist.
Und sie natürlich viele Geheimtipps kennt, die berühmtere Filme in den Schatten stellt.
Und sogar ein Jahr früher gedreht wurden!

Ab hier sind Franziskas gezielte Fragen zu dem Film.

1. Wie ist dein Verhältnis zu Dokumentationen?
Ich schaue sie ab und zu. Es ist schön ein geballtes Wissen – auch noch visuell – vorgestellt zu bekommen. Aber Dokumentationen können auch gefährlich sein, wenn die Fakten nicht stimmen, Wahrheiten verschoben oder weggelassen werden. Somit sollten Dokus nie für sich alleine stehen.vlcsnap-2018-10-04-14h45m07s452
„The Last Broadcast“ wirkt wie eine echte Dokumentation, aber es ist alles gestellt.

Für „Cannibal Holocaust“ (1980) – ebenfalls ein ‚Found Footage‘ Werk – mussten die Filmemacher sogar ins Gefängnis. Die Leute dachten, dass die Schauspieler wirklich getötet und gegessen wurden.

2. Es ist egal wie schlecht das Bild ist, solange der Ton vom Feinsten ist. Oder?
War es bei dem Film so? Ich habe nicht darauf geachtet und mir ist es nicht aufgefallen.
Abgesehen vom Ende war ich ziemlich von der Story gepackt und habe den Drehstil nicht weiter analysiert. Bei diesem Film würde das Analysieren extrem viel Spaß machen.
Die Entstehung des Filmes und dessen Vermarktung ist weitaus spannender als das Werk an sich. „The Last Broadcast“ ist wohl einer der ersten Filme, der digital gedreht wurde und auch eine digitale Ausstrahlung bekam. Dafür haben sich die Filmemacher neue Methoden ausdenken müssen, weil in den 90ern natürlich nur Kinorollen vertrieben wurden.
„The Last Broadcast“ wurde per Satellit in die Kinos gebracht.
Digitale Vermarktung – hallo Internet – ist heute der Standard.

Ich denke aber, dass es auf den Film an sich ankommt.
Hier ist das schlechte Bild gewollt und trägt zur Spannung bei. Zumal “kaputtes“ Material wiederhergestellt wird, um die Morde zu sehen.
Das schlechte Bild unterstützt den Amateur-Stil und unterstreicht den Charme, sowie die Herkunft des Filmes. Mit wenig Geld wurde ein amateurhafter Film gedreht, aber die Story verlangt eine amateurhafte Handhabung. Die Filmcrew wird von Beginn an als schrullig dargestellt.vlcsnap-2018-10-04-14h57m02s687

Bei einem anderen Film wäre das schlechte Bild eine Katastrophe, da es den Sehfluss stört.
Wäre die Filmcrew von ‚CNN‘ gewesen, dann wäre diese Bildqualität unauthentisch und deplatziert.

3. Machen dich FilmmacherInnen mit ihren Werken auch mal auf inszenatorischer Ebene sauer?
In ganz seltenen Fällen. Ich bin sehr offen für Filme jeder Art und Inszenierung.
Die Drehweise sollte im besten Falle die Geschichte passend untermalen. Aber es gibt hier keine Regeln, obwohl bestimmte theoretische Festlegungen beispielsweise sagen würden, dass Nahaufnahmen beim Aufzeigen von Gefühlen perfekt seien.
Dunkle Aufnahmen, bei denen der Zuschauer nichts erkennt können lästig sein. Aber vielleicht sollen wir gar nicht alles erkennen.

Meinen größten Kampf habe ich mit Filmen, die eine Wackelkamera und schnelle Schnitte einsetzen, was eine sehr moderne Drehweise ist. Leider kann ich dem Geschehen nicht folgen und unterstelle hier auch wenig Professionalität.

4. Glaubst du der Film wäre im Jahr 2018 erfolgreich?
‚Found Footage‘ Filme sind sehr angesagt, was die „Paranormal Activity“ Reihe mit sieben Filmen bestätigt. Ich denke nur, dass ein neuer „The Last Broadcast“ mehr Schockmomente haben sollte – und ganz klar das Ende verändert werden muss.

5. Was erzeugt bei dir (An)spannung?
Wenn es um wahre Ängste geht: Ich habe Akrophobie.
Für den Thrill liebe ich es im absoluten Dunkeln zu laufen. Hier wird ein wichtiger Sinn ausgeschaltet und die Gedanken spielen, was alles in der Umgebung sein könnte.
Eine andere Anspannung verspüre ich bei Ungerechtigkeit und Idiotie der meisten Art.

last broad

„The Last Broadcast“ (1998) war die sechste Flimmerfreundschaft-Filmauswahl von der lieben Friedl-Von-Grimm. Zusammenfassend ein atmosphärisches Werk, das die Spannung kontinuierlich aufbaut bis das große Endergebnis scheitert. Filmhistorisch ist dieser ‚Found Footage‘ Film extrem wichtig und hierfür wird er nicht gewürdigt. Schade, eigentlich.

Friedl-Von-Grimm hat „C2 – Killerinsekt“ (1993) gesehen.
Ein Film von Tony Randel, bei dem es Jugendliche mit übergroßen Killerzecken zu tun bekommen. Für mich ein kleiner Geheimtipp des monströsen Genres.

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